Medikamenten-Infos
- Markenname: Inderal LA
- Aktiver Inhaltsstoff: Propranololhydrochlorid
- Hersteller: AstraZeneca
Wirkstoff: Propranololhydrochlorid
Propranolol blockiert kardiale β1-Rezeptoren (↓Frequenz/Kontraktilität) und renale β1-Rezeptoren (↓Renin); die periphere β2-Blockade dämpft adrenergen Tremor und kann über vaskuläre sowie zentrale Mechanismen zur Migräneprophylaxe beitragen. Die Retardformulierung setzt Propranolol entlang des GI-Trakts allmählich frei und hält so mit einer morgendlichen oder abendlichen Einzeldosis Tag-und-Nacht therapeutische Spiegel aufrecht. Nahrung kann die Exposition moderat beeinflussen; eine konstante Einnahmezeit in Bezug auf Mahlzeiten hilft, die Wirkung vorhersagbar zu halten.
Aufgrund des hepatischen First-Pass-Effekts besteht interindividuelle Variabilität; die Dosis wird nach klinischem Ansprechen (HF/BP-Ziele, Symptomkontrolle) titriert. Da eine β2-Blockade Bronchospasmus auslösen kann, ist Inderal LA bei Asthma kontraindiziert und bei COPD vorsichtig anzuwenden.
Anwendungsgebiete
Die Anwendung richtet sich nach ärztlicher Beurteilung und regionaler Fachinformation. Häufige Indikationen:
- Hypertonie (allein oder in Kombination mit anderen Antihypertensiva)
- Angina pectoris (Senkung der Häufigkeit belastungsabhängiger Thoraxschmerzen)
- Frequenzkontrolle bei supraventrikulären Tachykardien inkl. Vorhofflimmern/-flattern
- Migräneprophylaxe (Vorbeugung, nicht Akuttherapie)
- Essenzieller Tremor (symptomatische Kontrolle)
- Hypertrophe subaortale Stenose (Symptomlinderung)
- Phäochromozytom (adjuvant): nur nach ausreichender α-Blockade unter fachärztlicher Aufsicht
Behandlungsregime und Dosierungen
Inderal LA genau nach ärztlicher Verordnung einnehmen. Repräsentative 1-mal tägliche Schemata für Erwachsene:
- Hypertonie: Beginn 80 mg 1× täglich; Titration alle 1–2 Wochen auf 120–160 mg 1× täglich (einige benötigen bis zu 320 mg/Tag).
- Angina pectoris: 80–160 mg 1× täglich; Anpassung zur Reduktion belastungsabhängiger Beschwerden ohne Bradykardie/Hypotonie.
- Frequenzkontrolle bei SVT/VHF: 80–160 mg 1× täglich zur Erreichung der HF-Ziele; höhere Dosen unter Spezialist*innen.
- Migräneprophylaxe: 80 mg 1× täglich, schrittweise Steigerung auf 120–160 mg 1× täglich (ausgewählt bis 240 mg/Tag).
- Essenzieller Tremor: Beginn 80 mg 1× täglich; Titration auf 120–240 mg 1× täglich nach Bedarf und Verträglichkeit.
Allgemeines: tablette unzerkaut mit Wasser schlucken; nicht zerkleinern oder kauen. Täglich zur gleichen Zeit einnehmen. Nicht abrupt absetzen – Ausschleichen mit der Ärztin/dem Arzt planen.
Anwendungsempfehlungen
Ein einfaches Protokoll zu Ruhe-/Belastungsherzfrequenz, Blutdruck und Zielsymptomen (Angina-Episoden, Migränetage, Tremorstärke) führen. Bei Schwindel oder ungewöhnlicher Müdigkeit während der Titration Einnahmezeit (morgens vs. abends) besprechen und schnelle Lagewechsel vermeiden. Menschen mit Diabetes sollten den Glukoseverlauf engmaschig überwachen – β-Blocker können Warnzeichen einer Hypoglykämie (Tremor, Palpitationen) verschleiern. Bei Migräne die Medikation mit Trigger-Management kombinieren (regelmäßiger Schlaf/Mahlzeiten, Hydrierung, Koffein-Maß).
Vergessene Dosis
Die vergessene Tagesdosis nachholen, sobald Sie daran denken, außer wenn es nahe an der nächsten Dosis ist. Keine Doppelgabe. Zum regulären Schema zurückkehren. Bei mehreren Auslassern – insbesondere bei Angina – ärztlichen Rat zum sicheren Neustart einholen.
Vorsichtsmaßnahmen
- Atmung: kontraindiziert bei Asthma oder vorausgegangenem Bronchospasmus; Vorsicht bei COPD.
- Kardiale Leitung/Kontraktilität: vermeiden bei schwerer Bradykardie, AV-Block II/III, Sick-Sinus-Syndrom (ohne Schrittmacher), kardiogenem Schock, dekompensierter Herzinsuffizienz. Bei stabiler Insuffizienz vorsichtig anwenden.
- Periphere Zirkulation: kann Raynaud-Phänomen oder schwere pAVK verschlechtern.
- Metabolisch: maskiert Hypoglykämie; kann Lipide beeinflussen (↑TG, ↓HDL) bei einigen Patient*innen.
- Thyreotoxikose: kann Tachykardie verschleiern – nicht abrupt absetzen.
- Anaphylaxie: reduzierte Adrenalin-Ansprechbarkeit unter β-Blockern.
- Operation/Anästhesie: Anästhesie-Team informieren; perioperative Pläne sind individuell.
- Leberinsuffizienz: niedrig starten und vorsichtig titrieren.
- Fahren/Gefahrentätigkeiten: individuelle Reaktion beurteilen – Schwindel und Müdigkeit sind möglich.
Anwendung in der Schwangerschaft
Nur anwenden, wenn der potenzielle Nutzen das Risiko rechtfertigt (z. B. spezifische Arrhythmien). Mögliche fetale/neonatale Effekte umfassen Wachstumsrestriktion, Bradykardie, Hypoglykämie; bei Anwendung spät in der Schwangerschaft ist neonatales Monitoring angezeigt. Geringe Mengen gehen in die Muttermilch über; Stillentscheidungen erfordern ärztliche Beratung mit Beobachtung des Säuglings auf Bradykardie oder Trinkschwäche.
Mögliche Nebenwirkungen
- Häufig: Bradykardie, Müdigkeit, Schwindel, kalte Extremitäten, Schlafstörungen oder lebhafte Träume, GI-Beschwerden (Übelkeit, Diarrhö).
- Gelegentlich: Depression oder Stimmungsschwankung, Exanthem, Impotenz, Bronchospasmus bei prädisponierten Personen, Hypotonie.
- Schwer – ärztliche Hilfe suchen: Synkope, schwere Atemnot, neue/verschlimmerte Thoraxschmerzen, ausgeprägte Bradykardie, Giemen bei Nicht-Asthmatiker*innen, Zeichen eines AV-Blocks.
Propranolol (Retard): Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
- Verapamil/Diltiazem (non-DHP-CCB): Risiko für Bradykardie/AV-Block/Herzinsuffizienz – i. v. Kombinationen vermeiden; orale Kombinationen nur unter Spezialaufsicht.
- Weitere Frequenz-/BD-senkende Mittel (Digoxin, Amiodaron, Clonidin, Antihypertensiva): additive Effekte. Beim Absetzen von Clonidin zuerst Propranolol ausschleichen, um Rebound zu dämpfen.
- CYP1A2/2D6-Modulatoren: Inhibitoren (z. B. Fluvoxamin, Paroxetin, Chinidin) können Spiegel erhöhen; Induktoren (z. B. Rauchen, Rifampicin) können Spiegel senken – Dosisprüfung ggf. nötig.
- NSAID: können den antihypertensiven Effekt abschwächen – BD überwachen.
- Antidiabetika/Insulin: veränderte Hypoglykämie-Wahrnehmung – engmaschiges Monitoring.
- Anästhetika und Alkohol: additive Hypotonie/ZNS-Dämpfung.
Der Ärztin/dem Arzt stets eine vollständige Liste aller Rx/OTC-Arzneien und Supplemente vorlegen.
Analoga & Generika
Gleicher Wirkstoff (Propranolol — Retard und unretardiert, internationale Beispiele)
- Inderal LA / Propranolol ER (diverse Hersteller) — 60 mg, 80 mg, 120 mg, 160 mg 1× täglich
- Propranolol IR-Tabletten (Teva, Sandoz/Hexal, Accord/Actavis, Viatris/Mylan) — 10 mg, 40 mg, 80 mg in geteilten Dosen
- Propranolol Lösung zum Einnehmen (marktabhängig) — für Titration/pädiatrische Bedürfnisse
Arzneimittel-Analoga (anderer Wirkstoff, gleiche Zielsetzung — Beispiele)
- Hypertonie/Angina/Arrhythmie: Metoprolol ER, Bisoprolol, Atenolol, Carvedilol, Nebivolol
- Migräneprophylaxe: Metoprolol, Timolol, Topiramat, Amitriptylin (ärztlich ausgewählt)
- Essenzieller Tremor: Primidon, Topiramat (Alternativen/Adjuvanz)
Lagerung
Bei 15–25 °C trocken und vor Wärme/Licht geschützt lagern. tablette in der Originalverpackung und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren. Nach dem auf der Packung angegebenen Verfallsdatum nicht mehr verwenden.
Kundenerfahrungen – Was Sie erwarten können
Mit 1-mal täglichem Inderal LA berichten viele über gleichmäßigere 24-h-Kontrolle: weniger Palpitationen, ruhigere Herzfrequenz und niedrigeren Blutdruck innerhalb von 1–2 Wochen, wenn die Dosis optimiert wird. Die Migräneprophylaxe baut sich über 4–8 Wochen auf; beim essenziellen Tremor kann eine Besserung bereits bei der ersten wirksamen Dosis einsetzen und sich mit Titration verfeinern. Frühzeitige Müdigkeit oder kalte Hände/Füße lassen oft nach Anpassung des Einnahmezeitpunkts nach. Ein kurzes Tagebuch zu HF/BD, Angina-Episoden, Migränetagen oder Tremorwerten hilft bei der Feineinstellung und bestätigt den Nutzen bei der Kontrolle.
FAQ
Worin unterscheidet sich Inderal LA von regulärem Inderal?
Inderal LA ist retardiert und wird 1× täglich für 24-h-Abdeckung eingenommen; unretardierte Tabletten benötigen mehrere Tagesgaben.
Wie schnell wirkt Inderal LA?
Herzfrequenz-/BD-Effekte beginnen innerhalb von Stunden; anhaltende Vorteile bei Angina, Migräne und Tremor bauen sich über Tage bis Wochen auf.
Kann ich es bei Asthma einnehmen?
Nein. Nichtselektive β-Blocker sind wegen Bronchospasmusrisiko bei Asthma kontraindiziert.
Was tun bei vergessener Dosis?
Nachholen, sofern der nächste Zeitpunkt nicht kurz bevorsteht. Keine Doppelgabe.
Darf ich abrupt absetzen?
Vermeiden – über 1–2 Wochen unter ärztlicher Anleitung ausschleichen.
Beeinflusst es die Wahrnehmung von Unterzucker?
Ja, Warnzeichen können maskiert werden. Bei Diabetes Glukose eng überwachen.
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